Steinkohleabbau
Zur Geschichte des Steinkohlenbergbaues im Flöhaer Becken - von Helmut Kroh
"Die meisten und erfolgreichsten Kohlegruben befanden sich am Nordrand des Beckens. Sie bauten die in geringer Tiefe liegenden Flöze der oberen Stufe ab. Diese sind 0,00 5 bis 0,45 m mächtig und liegen zwischen Kohlesandstein und Schieferton. Die Qualität der Kohle ist mangelhaft. Es handelt sich um eine anthrazitische Kohle mit 25 bis 54 Prozent Aschegehalt. Die stärkeren Flöze sind oft von Schiefertonlagen durchzogen.
Die über Tage ausstreichenden Kohleflöze wurden mit größter Wahrscheinlichkeit schon vor 1700 von verschiedenen Grundbesitzern im Tagebau abgebaut. Erste urkundliche Erwähnung finden wir im Mutungsregister des Bergamtes Freiberg von 1700. Hier wird ein Steinkohlenbruch und ein "Schwarzer Adler Erbstolln" auf Christian Bergers Gut zu Altenhain erwähnt. Der bedeutendste Abbau dieser Zeit dürfte der "Licht Erbstolln" gewesen sein, der 1741 gemutet wurde und wahrscheinlich von der Vorderen Ulbrichtschlucht aus in östliche Richtung getrieben war, denn von der Ulbrichtschlucht aus wurde 1840 von Schippan ein alter Stollen aufgewältigt. Außer diesen beiden Gruben wurden zwischen 1700 und 1800 noch mehrere kleine Steinkohlengruben betrieben. Diese Unternehmen waren jedoch meist nur von kurzer Dauer.
Ab 1800 setzte dann der Steinkohleabbau in größerem Umfang ein, denn durch die zunehmende Industrialisierung und die steigenden Holzpreise stieg die Nachfrage nach Kohle.
Das erste bedeutende Steinkohlenbergwerk baute der Lehnrichter Johann Georg Schippan aus Flöha auf. Schippan besaß außer seiner Landwirtschaft eine Brauerei, einige Kalkbrüche und Brennöfen, zwei Eisenerzgruben, die wahrscheinlich bei Hausdorf oder Grünberg lagen, sowie eine Erzgrube im Zechengrund bei Falkenau, in der silberhaltiger Bleiglanz abgebaut wurde.
Da er für seine Brauerei, vor allem aber für seine Kalköfen, größere Mengen Brennmaterial benötigte, versuchte er vor 1800 auf seinem eigenen Boden östlich der Vorderen Ulbrichtschlucht Kohle abzubauen. Er ließ drei Schächte abteufen, die jedoch nur geringe Flöze aufschlossen, die ihm nicht genügten. Deshalb ließ er um 1800 in Gemeinschaft mit de Grafen Vitztum von Lichtenwalde auf dessen Grundbesitz im Wetzelbachtal bei einem Kohleausstrich einen Stollen in östliche Richtung treiben und zwei Schächte abteufen. Hier fand er für seine Zwecke brauchbare und abbauwürdige Kohleflöze. Mit zunehmender Tiefe des Abbaues wurde jedoch die Wasserhaltung schwierig. Auf Vorschlag des Berghauptmannes von Oppel fasste Schippan den Plan, von der Gückelsberger Mühle (heute VEB Baumwollspinnerei Flöha, Werk Gückelsberg[1]) einen Stollen bis zu diesem Abbaugebiet zu treiben, der zur Vorderen Ulbrichtschlucht verlängert werden sollte. Nachdem Schippans Gesuch um einen staatlichen Vorschuss von 2000 Talern abgelehnt worden war, begann er 1801 den Bau des Stollens aus eigenen Mitteln. Der Vortrieb des Stollens, der "Oehlschlegel-" oder "Tiefer Stolln" genannt wurde, ging infolge Geldmangels sehr schleppend voran.
Wir wollen nun versuchen, uns ein Bild vom Abbaufeld zu machen, das nach einem "Akkord" genannten Vertrag mit den Grundbesitzern "Akkordfeld" genannt wurde. Es lag östlich des Wetzelbaches, etwa 700 nördlich des VEB Baumwollspinnerei Flöha, Werk Gückelsberg. Der Abbau begann, wie schon erwähnt, mit einem Stollen vom Wetzelbach aus in östliche Richtung und einem Hauptschacht von 30 m Tiefe. Es folgte der Vortrieb mehrerer Stollen und Strecken in östliche und westliche Richtung. Der erste, der sogenannte "Johann-Georgen-Stollen", wurde zur Entwässerung ständig mit vorgetrieben. Um das immer stärker anfallende Grubenwasser zu bewältigen, teufte man einen 70 m tiefen Kunstschacht ab. Das Wasser der Abbaustrecken wurde in den "Johann-Georgen-Stolln" bzw. in den Kunstschacht geleitet. Im Kunstschacht wurde das Wasser der tiefer gelegenen Strecken durch ein Schöpfrad auf die Höhe des "Georgen-Stollens" gehoben. Dessen Wasserrad war in der sogenannten Radstube untergebracht und wurde über eine Wasserzuführung von einem durch den Wetzelbach gespeisten Kunstteich angetrieben. Außerdem befanden sich über Tage ein Huthaus und ein Kohlevorratshaus.
Im Jahre 1840 war der 41 m tiefe Pomselschacht Hauptförderschacht. Der "Johann-Georgen-Stolln" führte bis zu diesem Schacht und war damals 624 m lang. Außerdem bestanden noch vier Schächte. Es wurden drei Flöze von 0,14, 0,20 und 0,46 m Stärke abgebaut. Im Bergwerk arbeiteten 1840 zwölf Bergleute und ein Steiger. Der "Tiefe Stolln" hatte bereits eine Länge von 469 m.
1846 wurde der "Tiefe Stolln" fertiggestellt. Er war 539 m lang und fast ausschließlich in Quarzporphyr getrieben; er hatte eine lichte Höhe von 1,25 bis 1,75 m und lag 17 m unter dem tiefsten Abbau. Auf dem "Tiefen Stolln" waren zwei Schächte von 63 m und 64 m niedergebracht worden. Durch die Fertigstellung dieses Stollens was die Wasserhaltung des gesamten Abbaufeldes gelöst. Schippan konnte den Erfolg nicht mehr erleben, er starb im gleichen Jahr. Von 1846 bis 1850 ruhte der Abbau. 1850 erwarb der Hausdorfer Mühlenbesitzer Ziessler das Werk, er verpachtete es 1862 bis 1867 an den Stellmacher Morgenstern aus Gückelsberg.
In der Zeit von 1800 bis 1870 wurden auf dem Akkordfeld etwa 400 000 Scheffel Steinkohle abgebaut, das sind grob gerechnet 40 000 Tonnen. Die Zahl der Arbeiter schwankte zwischen drei und neunzehn Bergleuten bei jeweils einem Steiger.
Da die abbauwürdigen Flöze zum größten Teil abgebaut waren, wurde der Betrieb unrentabel und arbeitete zuletzt mit Verlust. 1870 wurde der Abbau auf dem Akkordfeld völlig eingestellt, nachdem er vorher schon zeitweise geruht hatte.
Die Spuren dieses Bergbaues sind heute noch östlich des Wetzelbaches und am Pomselberg in Form von Halden zu finden. Befahrbare Stollen und Übertageanlagen sind nicht mehr vorhanden. Der am Abbaufeld liegende Feuerlöschteich ist mit dem ehemaligen Kunstteich nicht identisch.
Nachdem wir das bedeutendste Abbaufeld ausführlich behandelt haben, wenden wir uns den anderen Abbauen zu. Beginnen wir mit __Ulbrichts und Langes Feldern__. Sie lagen zwischen der Vorderen und der Hinteren Ulbrichtschlucht, an der Vorderen Ulbrichtschlucht (Ulbricht, Lange) und östlich derselben zwischen Pfarrwald und der heutigen Hausdorfer Straße (Richter). Unternehmer waren von 1812 bis 1819 Pötzsch als Pächter von Richter, von 1819 bis 1853 Kieber und von 1853 bis 1863 Schumann als Pächter von Kiebers Erben. Es wurden zwei Flöze von 0,20 bis 0,35 m Stärke abgebaut. Die Zahl der Bergleute wechselte zwischen zwei und sieben bei einem Steiger. Es bestanden einige Schächte, von denen aber immer nur einer befahrbar war, sowie mehrere Strecken geringer Länge.
>Über Tage standen ein Huthaus, ein Holzschuppen und eine Schankwirtschaft, zu der Kieber 1831 die Konzession erhielt. Jedoch durften nur an die Beschäftigten des eigenen Werkes, an Kohlenfuhrleute und an den Betrieb besuchende Fremde Bier und Branntwein ausgeschenkt sowie Speisen verabreicht werden. Die Gastwirtschaft wurde vom Steiger geführt. Mit der Einstellung des Kohlenabbaues 1863 verfiel die Konzession. Das Gebäude dieser Gastwirtschaft ist heute Wohnhaus und allgemein unter dem Namen "Tangelschänke"[2] bekannt. In unmittelbarer Nähe dieses Hauses befinden sich noch drei Halden.
Auf __Ankes Feldern__, die am nördlichen Ausläufer der Vorderen Ulbrichtschlucht lagen, baute Pötzsch 1820 bis 1835 Kohle ab. Anke übernahm den Abbau 1835 und führte ihn bis 1852. Der Abbau erfolgte wahrscheinlich nur im Tagebau oder in flachen Schächten, denn wir sehen in diesem Gebiet heute noch viele kleine Halden und Pingen, die unmittelbar nebeneinander liegen. Außerdem befand sich in diesem Gebiet ein Porphyrtuffbruch und etwa dreißig Meter westlich davon ein kleiner Sandsteinbruch, von dem aus ein Schacht abgeteuft wurde.
Zwischen Vorderer Ulbrichtschlucht, Hausdorfer Straße und Schmiedberg lagen die Felder des __Flöhaer Lehngerichts__. Hier wurde 1824 von Johann Georg Schippan, später von verschiedenen Pächtern, bis 1865 zwei Flöze von etwas 0,35 m Stärke abgebaut. In dieser Zeit wurden neun Schächte abgeteuft. Der tiefste Schacht erreichte 48 m. Zum Abführen der Grubenwässer wurde ein Stollen von der Vorderen Ulbrichtschlucht zu den Abbauen getrieben; er wurde ab 1846 gemeinsam mit Kiebers Werk benutzt und was 500 m lang. Über Tage befanden sich ein Huthaus und ein Schuppen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Prozess wegen Raubbaues, den Schippan 1825 beim Bergamt gegen Kieber führte, da er bemerkt hatte, dass Kieber unter den Lehngerichtsfeldern Kohle abbauen ließ. Von Sachverständigen des Bergamtes Freiberg wurde das widerrechtlich abgebaute Kohlefeld auf etwa 470 Quadratmeter geschätzt. Der Prozess endete 1826 mit einem Vergleich beider Parteien.
Ab 1838 wurde auch im Pfarrwald Steinkohle abgebaut. 1832 bestanden hier ein Schacht von 17 m Tiefe und zwei Schächte von 24 m Tiefe. Bis 1871 wurden weitere vier Schächte abgeteuft, die 31 m bis 40 m Tiefe erreichten. Außer den Abbaustrecken bestand ein Hauptstollen von 160 m Länge. Es wurden zwei bis vier Flöze von 0,04 bis 0,40 m Stärke abgebaut. Die Zahl der Beschäftigen schwankte zwischen zwei und zwanzig Bergleuten, die einem Steiger unterstellt waren. 1880 wurde der Abbau im Pfarrwald eingestellt. Hier finden wir heute noch sieben Halden mit erkennbaren Resten der Schächte. Die Halden sind drei bis fünf Meter hoch und enthalten noch kaum verwittertes Nebengestein der Abbaufelder. Hier können auch die meisten Fossilien gefunden werden.
Zwischen 1816 und 1835 ließen staatliche Stellen im Struthwald mehrere Bohr- und Schürfversuche auf Steinkohle durchführen. Da kein Flöz gefunden wurde, das den Abbau von staatlicher Seite gelohnt hätte, wurde der Kohleabbau im staatlichen Struthwald für die Privatunternehmer freigegeben. In der Zeit von 1836 bis 1852 bauten hier drei verschiedene Unternehmer Kohle ab. Infolge der geringen Tiefe der Flöze ist eine große Anzahl kleiner Schächte abgeteuft worden. Sie erreichten Tiefen von 3 bis 15 m. Stollen und feste Gebäude bestanden nicht Es waren vier bis sieben Bergleute beschäftigt, welche einem Steiger unterstellt waren.
Auf dem Grundstück des Bauern Dietrich aus Altenhain, das zwischen Dachsloch und Forstbach in der Nähe der Finkenmühle nordwestlich Flöhas lag, bauten Schaal von 1834 bis 1848, Eichler von 1848 bis 1853 und Fischer u. Co von 1858 bis 1863 ein 0,65 m starkes Kohleflöz ab. Schaal besaß zwei Schächte von 36 m und von 40 m Tiefe und einen Stollen. Sein Nachfolger Eichler ließ außer diesen Schächten einen Kunstschacht, einen Kunstgraben und einen Stollen errichten. Über Tage befand sich ein Huthaus und eine Schmiede.
Der Döbelner Schmied Fischer übernahm 1858 die Abbaurechte Eichlers, die verfallen waren, weil der Abbau länger als zwei Jahre geruht hatte. Fischer gewann einige kapitalkräftige Leute zur Finanzierung seines Unternehmens, das sich dann "Altenhainer Steinkohlenbaugesellschaft" nannte. Er ließ drei neue Schächte abteufen, die 30 m bis 38 m Tiefe erreichten, und schaffte eine Dampfmaschine zum Antreiben der Wasserpumpen an.
Schaal und Eichler beschäftigen zwei bis vier Bergleute, während bei Fischer 1860 vierundzwanzig Bergleute arbeiteten. Wegen der Unwirtschaftlichkeit des Unternehmens sank die Zahl der Beschäftigten von Jahr zu Jahr. 1861 waren noch zehn Bergleute, 1862 vier und 1863, kurz vor Einstellung des Abbaues, nur noch drei Bergleute beschäftigt.
Infolge von Erschöpfung der verhältnismäßig einfach abzubauenden Kohleflöze der oberen Stufe wurde der Kohlenbergbau im Flöhaer Becken immer schwieriger. Durch die inzwischen gebauten Eisenbahnen wurde außerdem bessere und billigere Steinkohle in unser Gebiet gebracht. Die meisten Werke stellten den Abbau 1870 ein; das Werk im Pfarrwald wurde 1880 als letztes stillgelegt. Die Betriebe hatten in den letzten Jahren ohne Gewinn, teilweise sogar mit Verlust gearbeitet.
Die Kohleförderung soll auf allen Werken in 80 Jahren insgesamt ungefähr 1 140 000 Scheffel, das wären grob gerechnet etwa 114 000 Tonnen, betragen haben. Diese Fördermenge erscheint uns gering; bei den damaligen Verkehrsverhältnissen stellte sie jedoch einen nicht zu unterschätzenden Faktor in der Belieferung der Betriebe, vor allem der Kalkbrennereien, mit Brennmaterial dar.
>1908 wurde eine __Bergbaugesellschaft "Glück Auf Flöha"__ gegründet. Sie wollte den Steinkohlenbergbau in Flöha wieder aufnehmen. Diese Gesellschaft veranstaltete eine rührige Reklame, um Geldmittel für ihre Vorhaben zu erlangen. Am 30.09.1909 begann sie eine Versuchsbohrung auf einer dem Gutsbesitzer Opitz gehörenden Wiese in der Zschopauaue an der Chemnitzer Str (B173). mini Am 05.05.1910 war die Bohrung 48 m tief, ohne dass ein Kohleflöz erbohrt wurde. Am 14.05.1910 wurden die Bohrarbeiten eingestellt, und von "Glück Auf Flöha" war nichts mehr zu hören.
Das war der letzte Versuch, den Flöhaer Steinkohlenbergbau wieder in Gang zu bringen, und somit auch der Schlussstrich unter ein interessantes Kapitel mittelsächsischer Bergbaugeschichte."
Quellen und Hinweise
- DokuWiki-Quelle: `data/pages/steinkohleabbau.txt`
- Der Text wurde automatisch aus DokuWiki-Syntax in einen MediaWiki-Entwurf uebertragen und sollte vor der Veroeffentlichung redaktionell geprueft werden.