Schmelzhütte Hetzdorf
Schmelzhütte, Walkmühle
Sie befand sich an der Ernst-Thälmann-Straße 74. Ehemals Ortstliste Nr. 1
Die alte Falkenauer kurfürstliche Schmelzhütte, zwischen Hetzdorf und Falkenau, ist nach 1575 erbaut wurden.Der Kurfürst hatte das Grundstück von 100 Schock oder 25 gute Groschen von Michael Becker gegen Barzahlung 1575 erworben. Den Verkauf hatte der Verkäufer jedoch später bereut und so hat Becker 1601 um Rückkauf petitioniert. Die Grundstücksgröße betrug 1200 Routen (ca.5000 m2) und in der Oederkarte von 1586 1602 ist die alte Schmelzhütte als Walkmühle verzeichnet [1] [2]. Ein 700 Schritte langer Wassergraben führte von der Flöha zu dem Wasserrad am Anbau des Hüttengebäudes. Das Oberröhrenwasser vom Kesselbach trieb das Wasserrad vom Pochwerk an [3], [4].
>Im Verlaufe der Jahrhunderte vermischte sich in der Falkenauer Chronik der Begriff Walkmühle irrtümlich mit dem Walken. [5]
Die Erzschmelze war auf Grund ihrer Lage und Beschaffenheit von nur kurzer Betriebsdauer, wodurch die alte Erzschmelze schon frühzeitig beim Entrichten der Steuer in finanziellen Schwierigkeiten war. Der Hüttenmeister Walter Charlys verfasste am 23.Juni 1583 eine Petition gegen die Steuererhebung vom 19. Oktober 1582 des Amtes Nossen.
Der Hüttenverwalter Salomon Lindrut und der Oberhütten Verwalter Michael Schönlebe beurkundeten diese Petition, welche an den leitenden Aufseher der kurfürstlich sächsischen Steuerbehörde Herrn Pflugbeil gerichtet war. Diese Petition beinhaltete einen Aufschub der jährlichen Zinszahlung von 100 Gulden und 20 Groschen. Geprägt von der Zuversicht durch den Aufbruch vom Bergwerk „Gabe Gottes Maßen“ im Oederaner Wald erhoffte sich der einzig bekannte Hüttenmeister der alten Schmelzhütte, Walter Charlys, neue Einnahmen durch das Schmelzen ausgebrachter Erze [6] [7].
Noch im gleichen Jahr erfolgte jedoch der Verkauf der Hüttengebäude an den Schänkengutbesitzer Michael Becker. Auch besaß die alte Falkenauer Schmelzhütte keine leistungsstarke Hüttentechnik. Die Hochwassergefahr und die schlechte Wegeanbindung zu den kurfürstlichen Gruben im Oederaner Wald sowie die begrenzte Wasserkraft ließen eine Erweiterung der Hütte nicht zu. Eine große Hüttenanlage benötigte mehr Wasserkraft für ihre Betriebsbereitschaft. im oberen Teil der Fiö ha, zwischen Hetzdorf und Falkenau, durchfließt der Fluss nur drei Höhenmeter. Dagegen sind die topographischen Verhältnisse der Flöha zwischen Falkenau und Gückelsberg von 8,40 m Höhen unterschied ein weiterer Grund für die Erbauung einer neuen kurfürstlichen Schmelzhütte [8].
Eine der letzten urkundlichen Erwähnungen fand die alte Hütte 1590. Der Flussknecht Martin Richter beantragte eine Genehmigung zur Überlassung von Grund und Boden an den Landesherrn, um ein Wohnhaus „an der Hütten“ zum Fischwege zu errichten [9].
Auch Michael Becker kann der alten Schmelzhütte keinen neuen Aufschwung geben und sie geht wieder in Besitz des Landesherrn über. lm Jahre 1610 nutzten Oederaner Tuchmacher das baufällige Hüttengebäude und bauten eine __Tuchwalke__ an. Das gemauerte Kohlenhaus war baufällig geworden und der Wassergraben zur alten Erzschmelzhütte war verschlammt [10].
Später wird sie auch zu Wohnzwecken mit ausgebaut und 1631 ist der erste Mieter der Tuchwalke George Müller, 1658 dann die Witwe von Christoph Richter, 1696 George Richter und 1739 Friedrich Rudolph und Gottlieb Wirth. Bei diesen Mietern handelt es sich vermutlich um Arbeiter, die selbst in der Walke gearbeitet haben. 1815 verstirbt in der alten Walke Meister Gottfried Haubold, ein Bürger aus Oederan [11].
Nach dem 7jährigen Krieg (1766-1763) erstarkte die 1457 gegründete Oederaner Tuchmacherinnung so sehr, dass sich die Innung zum Walken der Tuche zwei Tuchwalken anschaffen musste. Die Falkenauer Walke gehörte mit zur größeren Amtswalke in Thiemendorf (Breitenau). Grund und Boden beider Walken, waren lange landesherrlicher Besitz.
Am 21.12.1771 wurde das Pachtverhältnis letztmalig geregelt. Für beide Walken mussten die Oederaner Tuchmacher eine Erbpacht von 300 Talern und einen Erbzins von 13 Talern an den Schösser (Amtsmann für Steuern) von Augustusburg zahlen. Am 01.05.1755 übergab der Tuchmacherobermeister Kieber und Wiedrich die alte Walke samt Wassergraben, Gärtchen und Röhrwasser an Friedrich Lorenz für 25 Gulden Erbstandsgeld und jährlich 1 Gulden Erbzins. Lorenz veräußerte es 1790 an Johann Michael Richter. 1847 kam als neuer Besitzer Johann Gottlieb Franke und übergab das Anwesen 1849 an seinen Sohn Carl Gottlieb Franke. Von diesem Zeitpunkt an sind verschiedene Besitzernachweis rar.
>Die ungenutzt gebliebene Wasserkraft gab der Tuchmacherinnung Oederan bei dem Besitzerwechsel Franke Veranlassung, vermögensrechtliche Ansprüche zu stellen, ohne jedoch Erfolg zu haben. Mit dem Verkauf durch die Innung wurde 1790 der Betrieb eingestellt.
An Bedeutung gewann das Anwesen noch einmal beim Bau des Hetzdorfer Viaduktes für die Eisenbahnstrecke Freiberg Flöha. Für die bei der Arbeit Verunglückten wurde die Walke als Krankenhaus eingerichtet und wurde seit der Fertigstellung der Brücke, nur noch für Wohnzwecke verwendet [12]
mini Auf dem Bild sind von rechts nach links zu sehen: Familie Wächtler Sohn, Ehemann und Frau), Frau Kopper mit Kind auf dem Arm , Kurt Gehmlich mit Sohn Günter, Frau Fronia mit Tochter Erika und Ehemann Eduard Fronia
Bilder von der Schmelzhütte vor dem Abriss. Das Gelände davor war häufig durch Schmelzwasser überschemmt. Im Hintergrund kann man die Bahnstrecke von Falkenau nach Olbernhau erkennen. mini mini
Im Oktober 2017 wurde das Gebäude abgerissen mini|Freie Presse 20.10.2017.
Der Abriss wurde von Steffen Gerstel und Sven Würzner nachgebaut bzw. durch Modelle nachgestellt und am 03.12. anläßlich des offenen Adventskalender der städtische Wohnungsverwaltungs- und -baugesellschaft (WVBG) vorgeführt. mini|Freie Presse vom 25.01.2020
Quellen und Hinweise
- DokuWiki-Quelle: `data/pages/schmelzhuette_hetzdorf.txt`
- Der Text wurde automatisch aus DokuWiki-Syntax in einen MediaWiki-Entwurf uebertragen und sollte vor der Veroeffentlichung redaktionell geprueft werden.
- ↑ Matthias Oederkarte 1586 1602
- ↑ Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 36084 SectJ, Nr. 863
- ↑ Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 36084 SectJ, Nr. 863
- ↑ Achtes Buch: Von der Vorbereitung der Erze für das Schmelzen, aus De Re Metallica Libri XII von Georg Agricoia des VDI Verlages Berlin 1928
- ↑ der Satz steht etwas verloren da. Müsste er nicht weiter unten angesiedelt werden?
- ↑ Deine Heimat, April 1957, Kulturbund der DDR Kreis Flöha
- ↑ Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 36084 SectJ, Nr. 863
- ↑ Topografische Karte 5144 NO Falkenau vorn Landesvermessungsamt Sachsen 1n Dresden von 2002
- ↑ Die Ortsgeschichte des Dorfes Falkenau in Sachsen von Hermann Seifet, aus dem Jahre 1938
- ↑ Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 36084 SectJ, Nr. 863
- ↑ Siebentes Buch: Vom Probierwesen, aus De Re Metallica Libri XII von Georg Agricola des VDI Verlages Berlin 1928
- ↑ Deine Heimat, April 1957, Kulturbund der DDR Kreis Flöha