Besiedlung
Zur Besiedlung unserer engeren Heimat um Augustusburg, Flöha und Oederan
(von Hans Weiske)
Die Besiedlung des Gebietes war im dauernden Spannungsfeld königlicher und wettinischer Territorialpolitik um die Städte Augustusburg (mit den Ortsteilen Augustusburg, Erdmannsdorf, Grünberg, Hennersdorf und Kunnersdorf), Flöha (mit den Gemeindeteilen Flöha, Plaue-Bernsdorf, Gückelsberg und dem Ortsteil Falkenau) und Oederan (mit den Ortsteilen Breitenau, Börnichen, Frankenstein, Gahlenz, Görbersdorf, Hartha, Hetzdorf, Kirchbach, Lößnitztal, Memmendorf, Schönerstadt und Wingendorf) verbunden. Darüber hinaus die Gemeinden Eppendorf (mit Großwaltersdorf und Kleinhartmannsdorf) und Leubsdorf (mit Hohenfichte, Marbach, Metzdorf und Schellenberg) sowie die Ortsteile Altenhain, Hausdorf, Langenstriegis und Mühlbach der Stadt Frankenberg. mini
Die von Reichsministeralien errichteten Burgen und die Dörfer unserer Umgebung entstanden im weiten und unerschlossenen Waldgebiet - größtenteils auf dem Gebiet des Hersfelder Eigens - und damit im Reichsterritorium Pleißenland. Die Siedler kamen vor allem aus Franken bzw. ihrer Zweitheimat in der Orla-Senke in Thüringen. Details der Besiedlung sind nicht bekannt, von keinem unserer Dörfer liegen Gründungsurkunden vor. Erstmalige urkundliche Erwähnung fanden sie alle erst wesentlich später.
Wann aber ist die Besiedlung erfolgt? Der Chronist Seifert legt die Besiedlung des bis dahin unbesiedelten Erzgebirges und seines Vorlandes in den Zeitraum von 1160 bis 1180. Blaschke ((Karlheinz Blaschke „Geschichte Sachsens im Mittelalter“ Verlag C.H. Beck München 1990
Darin zwei Abschnitte aus dem Kapitel „Das hohe Mittelalter“: - die Markenzeit, - die bäuerliche Kolonisation)) nimmt für die Siedelbewegung von West nach Ost für das Land zwischen Saale und Mulde die Zeit bald nach 1100, für das Überschreiten der Mulde die Zeit um 1150 und für das Erreichen der Oberlausitz die Zeit um 1200 an. Die meisten Dörfer unserer engeren Heimat dürften also frühestens um 1150, spätestens um 1200 entstanden sein, auch wenn es dafür keine urkundlichen Belege gibt.
Für den größten Teil unserer engeren Heimat haben die Reichsministeralien von Schellenberg und die Herausbildung deren Herrschaft eine besondere Rolle gespielt. Nach Wild [1] erfolgte die Gründung der Herrschaft Schellenberg nämlich vermutlich zunächst „mit dem Bau einer kleinen Burg eventuell auf den Felsklippen über der Flöha, mit dem Dorf Schellenberg, dem Vorwerk, dem Feld und Wald der Lohe (drei Hufen), der danebenliegenden Kirche und der herrschaftlichen Mühle (Höllmühle) an der Flöha“. Nach einem archäologischen Bericht zur Ausgrabung der Burg Schellenberg von Volkmar Geupel und Yves Hoffmann ((Schellenberg – Augustusburg Beiträge zur 800-jährigen Geschichte Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH 2006 Herausgegeben von der Stadt Augustusburg, gefördert durch den Kulturraum Mittelsachsen. )) ist der spätere Bau der Burg auf dem Schellenberg erst nach 1210, aber vor 1220/30 anzusetzen. Erstmals urkundlich erwähnt wurden die Herren von Schellenberg 1206 in einer in Dresden ausgestellten Urkunde, wo sie als Zeugen einer Gerichtsverhandlung beim Markgrafen von Meißen auftraten. In diesem in Dresden ausgestellten Schriftstück wird Dresden erstmals urkundlich erwähnt. Der ausführlichen Gesamtdarstellung der „Reichsministeralien von Schellenberg und der Burg Schellenberg“ von "Wild" können bis zum Beginn der Fehde zwischen den Herren von Schellenberg und dem Kloster Altzella keine urkundlichen Belege über das Wirken der Schellenberger in unserer engeren Heimat entnommen werden. Ein erster urkundlicher Beleg über das sich nach 1324 herausbildende markgräflich-meißnisches Amt „castrum Schellenberg“ findet sich 1349/1350 im Lehnbuch des Markgrafen Friedrich III. der Strenge. Im 1378 verfassten „Registrum dominorum marchionum Missnensium“, einem Verzeichnis der dem Markgrafen zu Meißen jährlich zustehenden Einkünfte, werden viele Dörfer unserer Heimatregion urkundlich erstmals erwähnt.
Einzige frühe Stadt in unserem näheren Heimatgebiet ist Oederan. Entstanden ist Oederan wie alle Dörfer unserer Umgebung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das unbedeutende Waldhufendorf war der östlichste Ort des Reichsterritoriums Pleißenland und dürfte nach Ulbricht ((16. Werner Ulbricht „Beiträge zur Geschichte der Stadt Oederan 1190 – 1990“ Druckerei Burgstädt GmbH 1998 ff (vier Bände) Herausgegeben von der Stadtverwaltung Oederan )) nicht zum Bereich der Herren von Schellenberg gehört haben. Größere Bedeutung erlangte Oederan im 13. Jahrhundert als Schnittpunkt zweier wichtiger Verkehrswege des Mittelalters: Zum einen der sogenannten Frankenstraße (auch als Hofer-Dresdner-Straße bezeichnet) als wichtiger Ost-West-Verbindung bei der Besiedlung der Mark Meißen. Sie führte von Nürnberg über Hof, Plauen, Zwickau, Chemnitz, Oederan und Freiberg nach Bautzen. In Bautzen findet sie Anschluss an die sogenannte Hohe Straße von Frankfurt/Main nach Breslau. Zum anderen durchquert Oederan einer der Alten Böhmischen Steige (Salzstraßen). Dieser wurde 1185 bei der Beschreibung der Grenze des Stiftungsgebietes des Klosters Altzella erstmals urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um den Weg von Leipzig über Waldheim, Sayda und Brüx (Eger) nach Prag. ((ausführlicheres zu diesen beiden Verkehrswegen in "Lothar Schreiter „Eine Chronik von Flöha“ Limbacher Druck GmbH 1998 Herausgegeben von der Stadtverwaltung der Großen Kreisstadt Flöha
Unter der Überschrift „Wie alles begann“ behandelt Lothar Schreiter u.a. die Besiedlung der vier Dörfer rund um den Flöhaer Talkessel, die Rolle der Bauern und die Kirche zu Flöha.))
Begünstigt durch diesen Schnittpunkt zweier wichtiger Verkehrswege entwickelte sich Oederan im Herrschaftsbereich der Wettiner von einer dörflichen Markt- zu einer agrarischen Stadtsiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung fand Oederan 1286, die erstmalige Erwähnung der Stadt erfolgte 1292.
Wie bereits erwähnt, entstanden die meisten der Dörfer unserer engeren Heimat in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Waldhufendörfer. Im Folgenden eine Übersicht über die jeweilige urkundliche Ersterwähnung der Dörfer. Dabei gehörten die hervorgehobenen Dörfer zum markgräflich-meißnischen Amt „castrum Schellenberg“. Viele von ihnen werden in einem Verzeichnis der dem Markgrafen zu Meißen in den wettinischen Landen jährlich zustehenden Einkünfte aus dem Jahr 1378 („Registrum dominorum marchionum Missnensium“) erstmals urkundlich erwähnt.
- Altenhain (Ortsteil von Frankenberg) 1378
- Altschellenberg (als Schellenberg Ortsteil von Leubsdorf) 1378
- Bernsdorf (ehemaliger Gemeindeteil von Flöha) 1378
- Börnichen (Ortsteil von Oederan) 1486
- Breitenau (Ortsteil von Oederan) 1355
- Eppendorf (mit Ebersbach) 1336
- Erdmannsdorf (Ortsteil von Augustusburg) 1206
- Falkenau (Ortsteil von Flöha) 1378
- Flöha (Gemeindeteil von Flöha) 1399
- Frankenstein (Ortsteil von Oederan) 1185
- Gahlenz (Ortsteil von Oederan) 1378
- Görbersdorf (Ortsteil von Oederan) 1378
- Großwaltersdorf (Gemeindeteil von Eppendorf) 1331
- Grünberg (Ortsteil von Augustusburg) 1378
- Gückelsberg (Gemeindeteil von Flöha) 1367
- Hausdorf (Ortsteil der Ortschaft Mühlbach/Hausdorf der Stadt Frankenberg/Sa.) 1349
- Hartha (Ortsteil von Oederan) 134
- Hennersdorf (Ortsteil von Augustusburg) 1349
- Hetzdorf (Ortsteil von Flöha (Falkenau) bzw. Oederan) 1378
- Hohenfichte (Ortsteil von Leubsdorf) 1542
- Kirchbach (Ortsteil von Oederan) 1376
- Kleinhartmannsdorf (Ortsteil von Eppendorf) 1376
- Langenstriegis (Ortsteil von Frankenberg) 1282
- Leubsdorf 1349
- Marbach (Ortsteil von Leubsdorf) 1346
- Memmendorf (Ortsteil von Oederan) 1403
- Metzdorf (Ortsteil von Leubsdorf) 1378
- Mühlbach (Ortsteil der Ortschaft Mühlbach/Hausdorf der Stadt Frankenberg/Sa.) 1349
- Oederan 1286
- Plaue (Gemeindeteil von Flöha) 1378
- Schönerstadt (Ortsteil von Oederan) 1243
- Stadtschellenberg (Augustusburg) 1206
- Thiemendorf (Gemeindeteil von Oederan) 1349
- Wingendorf (Ortsteil von Oederan) 1185
- Wiesa (heute Niederwiesa) 1346
Ein Blick in die Besiedlungsgeschichte der an unsere Heimatregion angrenzenden Gebiete:
In nördlicher Richtung
Im Gebiet zwischen Zschopau und Striegis, nördlich der Herren von Schellenberg, kolonialisierten direkt an der Grenze unseres engeren Heimatgebietes die 1197 erstmals urkundlich erwähnten Herren von Sachsenburg. Die Existenz ihrer Burg lässt sich anhand archäologischer Funde für 1210/30 sicher nachweisen. Bauherren waren offenbar die Mildensteiner, welche durch das Kloster Hersfeld mit dem Gebiet belehnt waren. Deren Herrschaft ließ der Meißner Markgraf Heinrich der Erlauchte 1232 im Ergebnis des Mildensteiner Zehntenstreites zerschlagen. Die Herrschaft mit der Burg Sachsenburg und der urkundlich 1206 erstmals erwähnten Siedlung Frankenberg, entstanden wahrscheinlich um 1150 als Waldhufendorf, gingen in den Besitz der Wettiner über. Diese veräußerten die Dörfer um Schönerstadt, Frankenstein und Hartha (heute alles Ortsteile von Oederan) an die Herren von Schellenberg. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurden auf Sachsenburger Flur reiche Blei- und Kupfererz-Funde gemacht. Es entstand die Bergstadt Bleiberg. Diese fiel nach der Mitte des 14. Jahrhunderts wüst. Nach dem Ende des Bergbaus verkauften die Wettiner 1364 die Sachsenburg.
In östlicher und nordöstlicher Richtung
Nordöstlich unserer Heimatregion kam in den Jahren nach 1162 die Erschließung des Gebietes zwischen Striegis und Freiberger Mulde unter Markgraf Otto dem Reichen mit den immer wieder genannten Dörfern Tuttendorf, Christiansdorf und Berthelsdorf richtig in Gang. Gleichzeitig erreichte die Formierung des Reichslandes Pleißen westlich davon und die von hier ausgehende Kolonisation durch die Ministerialen von Schellenberg, Mildenstein, Frankenberg/Sachsenburg und Erdmannsdorf unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Höhepunkt. Erst in einer am 2. August 1185 ausgefertigten Urkunde Markgraf Ottos erfolgt die detaillierte Grenzbeschreibung des Klosters Altzella und darunter an der Westgrenze auch die Erwähnung eines Hersfelder Ministerialen „Ritter“ Eckehard, der unweit unserer Heimatregion kolonisiert haben dürfte: Nach [12] hat er nur zwei oder drei Jahre nach 1165 seine vier Kolonistendörfer (es handelt sich hierbei um Linda, Oberschöna, Wegefahrt und Frankenstein) gegründet. Diese Gründung der „vier Dörfer des Ritters Eckehard“ gibt aber von jeher Rätsel auf: Ihre Gründung könnte nämlich schon vor 1162 erfolgt sein.
In südlicher Richtung
Das genaue Gründungsdatum der Burg Wildeck in Zschopau ist nicht überliefert, sie dürfte aber zwischen 1160 und 1180 errichtet worden sein. Sie diente der Sicherung eines Alten Böhmischen Steiges (Salzstraße), der in ihrer Nähe die Zschopau überquerte. Dieser verlief von Halle über Leipzig, Chemnitz, Zschopau, Marienberg, Reitzenhain und Komotau nach Prag. Die Bundesstraße B 174 folgt weitgehend diesem alten Handelsweg. Um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert besaßen die Herren von Erdmannsdorf die Burg. Danach wechselten mehrfach die markgräflich-meißnischen Lehensträger.
In westlicher Richtung
Die Zschopau bildete im Mittelalter die Grenze zwischen den Bistümern Naumburg und Meißen. Westlich der Zschopau schloss sich bis zum Ende der Herrschaft Schellenberg (Hoheitsgebiet des Hersfelder Klosters und somit Reichsterritorium) das Territorium des Klosters St. Marien Chemnitz und die Reichsstadt Chemnitz an. Zum Territorium des Chemnitzer Klosters gehörten in unserer engeren Heimat u.a. die Orte Erdmannsdorf (heute Ortsteil der Stadt Augustusburg), Bernsdorf (ehemaliger Gemeindeteil von Flöha) und Wiesa (heute Niederwiesa). Durchquert wurde das Gebiet in west-östlicher Richtung durch die Frankenstraße, welche über Chemnitz und Oederan führte, in nord-südlicher Richtung durch einen Alten Böhmischen Steig zwischen Chemnitz und Zschopau.
Kurze Zusammenfassung zur Besiedlung von Falkenau
bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1378
• Die Besiedlung von Falkenau ist zwischen 1160 und 1180 erfolgt. Für die in „Wikipedia“ enthaltene Vermutung, dass diese bereits um 1157 erfolgt sein könnte, gibt es keine Belege.
• Das Dorf Falkenau befand sich auf dem Territorium des Reichslandes Pleißen. Falkenau geriet bald in die Abhängigkeit der Reichsministeralien von Schellenberg. Ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatten die Bauern von Falkenau den Herren von Schellenberg Abgaben zu entrichten. Details dazu sind nicht bekannt.
• 1242 wird das Pleißenland an die Wettiner verpfändet. Falkenau befand sich somit in der Herrschaft Schellenberg auf Reichsland, welches an die Wettiner verpfändet war. Nach der Schlacht bei Lucka im Jahr 1307 beginnt der endgültige Zerfall des Pleißenlandes.
• Im Jahr 1324 geht die Herrschaft der Reichsministeralien von Schellenberg im Ergebnis der Schellenberger Fehde in den Besitz des Hauses Wettin über. Falkenau gelangt endgültig in den Besitz des Markgrafen von Meißen. Das markgräflich-meißnische Amt „castrum Schellenberg“ beginnt sich herauszubilden. Ein erster urkundlicher Beleg über dieses Amt findet sich im Lehnbuch des Markgrafen Friedrich III. der Strenge von 1349/50.
• Im 1378 verfassten „Registrum dominorum marchionum Missnensium“, einem Verzeichnis der dem Markgrafen zu Meißen jährlich zustehenden Einkünfte, wird das Dorf Falkenau als zum Amt „castrum Schellenberg“ gehörig erstmals urkundlich erwähnt. Im Urkundenbuch der Stadt Freiberg von 1398 ein Richter „Hentzschel Helwig“ und ein Bauer „Kyn“ (Kühn) als Siedler in „Falkenawe“ genannt [2].
• Das Dorf Falkenau wurde vom Zeitpunkt seiner Besiedlung an von der sogenannten Frankenstraße durchschnitten, welche Chemnitz und Freiberg verband und eine wichtige Rolle für die Besiedlung der Mark Meißen spielte. Sie führte von Plaue, wo sie die Zschopau querte, durch das untere Schweddeytal über den Talsporn zwischen Zschopau und Flöha (dem sogenannten Leithenweg) nach Falkenau. Dort querte sie die Flöha (wahrscheinlich in der Nähe der späteren unteren Fabrik). Der weitere Weg nach Oederan führte entweder durch den Oederaner Wald oder über den „Schußberg“ am Höllengrund In Oederan.
Weitere vertiefende Ausführungen siehemini|hier
In dem von Seifert in dargestellten „Plan über die Hufen des Dorfes Falkenau“[3] ist die ursprüngliche Struktur des durch die Flöha geteilten Waldhufendorfes Falkenau mit 15 Bauernhöfen und insgesamt 12,5 Hufen gerodetem Land dargestellt. Die Quelle dieses Plans ist unbekannt. Diese Struktur blieb für mehrere Jahrhunderte im Wesentlichen erhalten. So sind in für das Jahr 1551 in Falkenau „15 besessene Mann, 13 Gärtner und Inwohner sowie 12,5 Hufen“ und für das Jahr 1764 „14 besessene Mann, 1 Gärtner, 16 Häusler und 12 Hufen“ nachgewiesen
Quellen und Hinweise
- DokuWiki-Quelle: `data/pages/besiedlung.txt`
- Der Text wurde automatisch aus DokuWiki-Syntax in einen MediaWiki-Entwurf uebertragen und sollte vor der Veroeffentlichung redaktionell geprueft werden.