Hochwasser
Hochwasser ist ein Bruecken- beziehungsweise Verkehrsbauwerk mit Bezug zu Falkenau.
Inhalt
Überschwemmungen und Eisfahrten
Hierüber liegen Nachrichten vor:
1677
Bei der einen großen Eisfahrt wurde die "Mühle" sehr ruinierte.
1694
Es ereignete sich eine große Wasserflut.
1830
Eine der furchtbaren Überschwemmungen war die am 27. Februar 1830, wobei das Eis die Falkenauer Brücke - die sogenannte "Schulbrücke" wegriss und 14 Kühe in den Fluten umkamen.
1723
Am 7. November 1723 ergab sich eine große Wasserflut die viel Schaden anrichtete. Auch haben nach einer Kirchennachricht an diesem Tage die Kommunikanten (Teilnehmer des Abendmales) aus Falkenau, Flöha und Plaue, die am Sonnabend gebeichtet, andern Tags nicht zur Kommunion gehen können. Ein Begräbnis musste vom 10. auf den 14. verlegt werden.
1847
1847 musste die Brücke wegen der Beschädigungen durch den Eisgang abgetragen und zur Aufrechterhaltung des Verkehrs ein Steg über die Flöha errichtet werden.
1849
1849 am 11. Januar nachts 11 Uhr nahm eine Eisfahrt von der Floßholzinsel 100 Klafter Floßholz mit fort.
1854
1854 wurden in der Nacht vom 8. zum 9. Juli gegen 50 Klafter Floßholz fortgeführt, die Brücke erneut beschädigt. Die Heuernte war verloren.
1855
Am 14. März 1855 verursachte ein starker Eisgang großen Schaden
1856
1856 riss ein Hochwasser im Juni die Zwischenjoche der Schulbrücke fort, so dass diese gesperrt werden musste.
1858
Am 2. August 1858 wurde die Flöha zu einem reißenden Strom. Der Floßplatz stand vollständig unter Wasser, der Verkehr zwischen den beiden Ortsteilen war nur durch Kähne aufrecht zu erhalten. Auch 1860 wurden die Joche der Brücke weggeschwemmt.
1862
Am 1. Februar 1862 stand die Fiedlersche Fabrik sowie sämtliche anderen Gebäude am Ufer der Flöha unter Wasser. Am 6. Februar waren die Felder und Wiesendurch die Durchbrechung des Dammes von Flöha bis Falkenau ganz von Wasser bedeckt und in vielen Stuben war das Wasser eingedrungen. Am 8. Februar passierte ein Floß aus Borstendorf den Ort. Die Besatzung wurde nach und nach vom Floß durch die Fluten herab gerissen, konnten aber vom Tode des Ertrinkens gerettet werden.
Zu Anfang des Monats Februar brach das Eis auf der Flöha. Es versetzte sich bei der Krümmung unterhalb der Schreyerschen Fabrik, türmte sich infolgedessen in Falkenau ellenhoch aus und richtete an beiden Ufern, an den daran gelegenen Häusern und an den Feldern bedeutenden Schaden an. Die neuerbaute Schreyersche Schneidemühle wurde teilweise zertrümmert. Das Eis sprengte die Schulbrücke ab. Diese wurde zertrümmert auf dem sogenannten Pfarrwinkel wieder aufgefunden.
Der Dorfweg von der Dorfstr. 2 bis an die Schulbrücke war hoch mit Eisschollen bedeckt. Es musste mit viel Mühe und Kosten ein schmaler Fußweg gebaut werden, um den Verkehr nach und nach wieder aufrecht zu erhalten. Die Arbeiter mussten, um in die Fiedlersche Fabrik zu kommen, den Weg über die Schwarze Brücke|Schreyersche Fabrikbrücke]] nehmen, ein Verkehr zwischen Ober- und Niederdorf war auch nur so möglich. Diese Brücke war zwar ebenfalls beschädigt, konnte aber für Fußgänger hergerichtet werden. Der ganze geschilderte Zustand und die herrschende Kälte hielten 3 Wochen an. Dann erst setzte wärmere Witterung und Regenwetter ein, so dass das Eis abging. Alle menschlichen Versuche, dies zu bewirken, waren erfolglos gewesen. Der Chronist, der Flöhaer Pfarrer, sagt hierzu: Mag wohl mancher Falkenauer, der sonst wenig nach dem Herrn zu fragen pflegt, in dieser Trübsalszeit auf die Hülfe des Herrn wieder hoffen gelernt haben!
1881
Am 10. März 1881 trat Eisgang und damit eine Wasserflut der Flöha ein. Eisschollen türmten sich wieder an beiden Ufern der Flöha meterhoch auf, der Fluss trat aus den Ufern und nahm alles mit sich. Die Schulbrücke und die Schreyersche Brücke wurden stark beschädigt und mussten vorübergehend gesperrt werden. Die Jugend hatte reichlich Gelegenheit, bedeutende Mengen Fische zwischen den Eisschollen ohne Gefahr aufzulesen, da die Flut schnell verebbte.
1882
Am 31. Mai 1882 brachten große Wassermassen sehr viel Holz und Hausgeräte, unter anderem eine ganze Schuhmacherwerkstätte mit Handwerkszeug mit angeschwemmt. Infolge langanhaltendem Regen richtete auch im September 1882 ein Hochwasser großen Schaden an. Grummet und Hafer wurde fortgeschwemmt.
1883
Eisgang am 3. Januar 1883 riss die Zwischenjoche der Schulbrüche fort, in Hetzdorf wurde ein ertrunkener Mann angeschwemmt.
1897
Anhaltendes Regenwetter leitete das große Hochwasser von 1897 in den letzten Julitagen, kurz vor der Ernte, ein. Flüsse und Bäche stiegen und begannen am Freitag, den 30. Juli sich zur Gefahr für die in den Tälern liegenden Gemeinden auszuwirken. Von dieser Hochwasserkatastrophe, von der man sagt, dass sie in unserer Heimat mit zu den schwersten zählt und das Hochwasser des Jahres 1858 noch weit übertraf, wurde auch Falkenau schwer betroffen. Bereits am Vormittag des unheilvollen Tages (30. Juli) müsste der Betrieb der Baumwollspinnerei Georg Liebermann Nachfg. A.-G wegen Überschwemmung der unteren Fabrikräume schließen. Dass Hochwasser richtete auch deshalb so großen Schaden an den an der Flöha und unweit im Talkessel an ihr liegenden Grundstücken an, weil es große Mengen Holz mit sich führte. So hatte die stark angeschwollene Flöha in Pockau eine im Bau befindliche Brücke einfach mit fortgerissen und schleuderte nun die Baublöcke an die am Wasser liegenden Gebäude, wobei natürlicherweise großer Sachschaden entstand. Welchen Umfang das Hochwasser annahm, mag man auch aus der Tatsache erkennen, dass zur Vermeidung von Todesfällen und zur Aufrichtung einiger Notwege eine Kompagnie Chemnitzer Infanterie hier eingesetzt wurde. Am stärksten fiel der Regen in der Nacht zum 31. Juli. Frühmorgens gegen 4 Uhr ließen die heftigen Niederschläge etwas nach. Jeder Einwohner, geängstigt durch die drohende Gefahr, glaubte nun, dass das größte Unheil vorüber sei. Umso größer war daher die Überstürzung in der Bevölkerung, als am Nachmittag gegen 5 Uhr desselben Tages der Regen umso heftiger einsetzte und mit nur ganz kurzen Unterbrechungen am 31. Juli und am 1. August anhielt. Erst am darauffolgenden Montag, also am 2. August ließ er nach. Nach Angaben des Meteorologischen Institutes in Chemnitz gingen in den beiden Tagen etwa 1500 Millionen Kubikmeter Wasser in Sachsen durch Regenfälle nieder, das sind 30000 Zentner Wasser, eine Menge, die ganz ungewöhnlich ist und nur selten in der heimatlichen Geschichte Ihresgleichen findet. Der anhaltende Regen verursachte auch am Wandernden Berg einen größeren Dammrutsch in 50 m Länge, so dass der Fahrverkehr Flöha-Oederan unterbunden wurde und nur durch Umsteigen in die an beiden Seiten der verschütteten Schienen haltenden Züge aufrecht erhalten werden konnte.
Der durch das Hochwasser entstandene Schaden betrug in Sachsen nach vorsichtiger Schätzung etwa 16 1/4 Millionen Mark. In einer darauffolgenden Sitzung des Bezirksausschusses der Amtshauptmannschaft Flöha bezifferte man den Schaden im Amtgshauptmannschaftlichen Bezirke nach den amtlichen Erhebungen auf 200.747 -...Mark wovon allein auf die Firma Georg Liebermann Nachfg. A.-G. 50 000-60 000 entfielen.
Leider forderte das Hochwasser auch acht Todesopfer in unserer Heimat, wenn auch nicht in Falkenau, sondern im benachbarten Lößnitztal. Über das Unglück erfährt man folgendes: Von dem im Lößnitztal gelegenen Fabriken des Herrn Julius Kluge war in der oberen Fabrik am Freitagnachmittag (30. Juli) schon der Betrieb eingestellt worden, in der unteren geschah dies abends gegen1/2 7 Uhr. Die Arbeiter wurden auf ihr Verlangen auf einem Rungenwagen über die auf sechs eisernen Trägern ruhende, mit Holzbohlen belegte Brücke, welche über die Lößnitz führt, befördert, da die Brücke für den Fußgängerverkehr nicht mehr passierbar war, die Arbeiter aber über dieselbe mussten, wollten sie in ihre in den umliegenden Ortschaften befindlichen Wohnungen sich begeben.
Zweimal war der Wagen in seiner Personenbeförderung schon über die Unglücksbrücke hinübergekommen und nun sollte es zum dritten Male geschehen, als infolge Unterspülens der Grundpfeiler von den mächtig sich stauenden Wassermassen die Brücke in sich zusammenbrach und der gerade aus ihr befindliche Wagen, besetzt mit 12 Personen, und den Pferden von den Fluten begraben wurde. Es konnten sich nur vier Personen retten, während acht brave Arbeitskameraden das Opfer dieses schrecklichen Unglückes wurden. Sie stammten aus Hetzdorf, Thiemendorf und Oederan und wurden gemeinsam aus dem Oederaner Friedhof beerdigt, wo noch heute ihr Grabhügel mit einem Gedenkstein die Erinnerung an diese Katastrophe wachhält.
Da das Hochwasser kurz vor der Ernte austrat, war selbstverständlich der Schaden bei den Bauern im Niederdorf die in der Aue ihre Felder hatten, sehr groß, denn die weiten landwirtschaftlichen Flächen um die Niedere Spinnerei bis hinunter nach Flöha glichen einem einzigen See. Die hohen Kornhalme ragten kaum noch aus ihm heraus und waren nach Rückgang des Hochwassers so versandet, dass sie zur Ernte nicht mehr nütze waren.
1900
In den Abendstunden des 22. Juli 1900 brach ein furchtbares Gewitter mit wolkenbruchartigem Regenguss aus. Der Schieserbach schwoll plötzlich über seine Ufer heraus und richtete viel Schaden an. Die Wiesen wurden überschwemmt und die Kartoffel ausgeschwemmt. Das Stallgebäude im Fleischereigrundstück, Ortsl. Nr. 31B ( Mehnert) wurde durch einen kalten Blitzstrahl demoliert. Die einstürzenden Mauern drückten einen Teil der Bachwölbung ein und begraben zwei Ziegen. Die Feuerwehr wurde zur Hilfeleistung gerufen, da das von der Hofer Chaussee herunterstürzende Wasser an den am Abhang der Straße liegenden Häusern viel Schaden anrichtete.
1909
Das Hochwasser 1909 kam mitten im Winter und erreichte mit dem 4. Februar seinen Höhepunkt Es hatte Tage vorher geregnet, geschneit und gematscht, so dass im oberen Gebirge sich das auf den Flüssen angesetzte starke Eis löste und mit den angeschwollenen Massen talabwärtsfuhr. Dadurch traten hohe Stauungen ein, die sehr bald ein außergewöhnliches Anschwellen der Flöha zur Folge hatte. Das Eis schob sich auf der Flöha drei und vierschichtig übereinander vorwärts und versperrte an den Brücken der Flöha den Weiterlauf, weshalb alle verfügbaren Kräfte auch in Falkenau mobilisiert werden mussten, die einigermaßen den Brückenschutz übernahmen. Wieder waren es die Fabrikgebäude der Firma Georg Liebermann Nachsg. A.-G., die vom Hochwasser am härtesten betroffen wurden. Bereits am Mittag des 4. Februar waren alle Gebäude vom Wasser umspült, der Betrieb musste schon vorher geschlossen werden.•
Zwei Gefahren waren es diesmal also, einmal das durch das anhaltende Niederschlagswetter entstandene Hochwasser und dann durch die damit verbundene außergewöhnliche Eisfahrt. Dass es die letztere nicht allein war, die großen Schaden anrichtete, wie das in verschiedenen Chroniken besprochen wird, geht daraus hervor, dass selbst das benachbarte Oederan und das sich anschließende Breitenau (früher Thiemendorf und Hetzdorf) durch den Hetzbach überschwemmt wurden. Ein Zustand, der durch die höhere Lage beider Orte höchst selten eintreten dürfte. Hetzdorf konnte man von Oederan aus nur über den Eselsweg erreichen.
In Falkenau erlebte man am 4. Februar und am darauffolgenden Tage das gleiche Schauspiel, wie man es zu den verschiedenen Hochwassern so oft erlebt hatte, alle an die Flöha angrenzenden Grundstücke bildeten einen einzigen See. In den tiefliegenden Häusern stand das Wasser sehr hoch und erreichte beinahe den gleichen Stand wie beim Hochwasser des Jahres 1897. Manche Wohnung stellte nach Rückgang des Hochwassers nur noch ein einziges Schlammloch dar. Aus einer weiteren Nachricht, die besagt, dass man im Orte bemerkte, wie auf der Flöha neben großen Mengen Holz aus den Schleifereien auch zwei menschliche Leichname sowie tote Pferde und Kleinviehkadaver talwärts trieben, kann man sich ebenfalls ein Bild von dem Ausmaß des 1909er Hochwassers machen.
1932
Das am 3. Januar 1932 einsetzende Tauwetter und ununterbrochener Regen haben im Gebirge eine unerwartete Schneeschmelze ausgelöst so dass die Gebirgsflüsse Hochwasser führten. Die Flöha trat aus den Ufern. Der Wasserhöchststand betrug 1,70 m. Die Feuerwehr musste Hochwasserdienst verrichten. Hölzer, Wirtchaftsgegenstände wurden an- und durch geschwemmt. Die Straßen links und im niederen Ortsteil rechts waren überschwemmt, die Keller und auch verschiedentlich Erdgeschosse der anliegenden Grundstücke standen unter Wasser, der Betrieb der Firma Liebermann musste zunächst teilweise, später am 4. Januar völlig geschlossen werden. Die Ufer der Flöha in der Nähe der Liebermannschen unteren Fabrik wurden stark ausgespült, es war ein großer Verlust an Material entstanden.
1947
März 1947 [1]
1956
Am 3. März 1956 türmten sich riesige Eisschollen auf der Flöha, die zum Teil sogar gesprengt werden mussten.
1958
Am 5./6. Juli 1958 Überflutung der Falkenauer Flure
1974
Vom 7.12.-14.12.1974 sind Falkenaus Fluren vom Hochwasser überflutet.
2002
Aus dem Bericht des Bürgermeisters Martin Müller:
//Am Sonntag, den 11.08. 02, begannen Starkregenfälle im gesamten Erzgebirgsbereich. Am Montag, den 12.08.02 wurde gegen 9.00 Uhr die Feuerwehr alarmiert, um im Keller des Eigenheimes Saupe, Straße der Einheit 17, das eintretende Grundwasser auszupumpen.
Nachdem ich im Rathaus die Faxe zur Hochwasserwarnung für Mulde und Elster gelesen, dies war etwa gegen 9.45 Uhr, und den Pegelstand in Pockau mit 1,80 m steigend zur Kenntnis genommen hatte, fuhr ich nach Hetzdorf, um dort den Pegel abzulesen. Dort war bereits gegen 10.00 Uhr ein Stand von 210 cm steigend zu verzeichnen. Von Hetzdorf zurück informierte ich meine Stellvertreterin, Frau Sell, mit der dringenden Bitte, ins Rathaus zu kommen, um die Stellung zu halten, da ich im Ort die Lage beobachten musste. Die Feuerwehr habe ich angewiesen, Sandsäcke zu füllen und diese auf die Ernst-Thälmann-Straße an die Geschäfte ( so z.B. Quelle/Klempnerei usw. ) zu bringen. Dies war gerade noch machbar, dann ging nichts mehr. Bereits nach dem Mittag waren von Hetzdorf bis zur ehemaligen GHG große Teile Land unter. Nur mit dem Traktor war es mir noch möglich nach Hetzdorf zu fahren und nach dem Pegel zu schauen. Gegen 13.00 Uhr war der Stand ca. 250 cm steigend. Danach fuhren wir zur ehemaligen GHG, zu dieser Zeit war die Dorfstraße noch frei. Wir waren auf der am 6. August neu übergebenen „Schwarzen Brücke“. Es war noch ca. ein Meter Luft zwischen Wasser und Brücke.
In der Zwischenzeit rief mich meine Stellvertreterin, Frau Sell, über mein Handy an und teilte mir mit, dass alle Kinder aus der schule in die Kindertagesstätte gebracht worden seien. Des weiteren musste sie auf eine erste Anfrage des Landratsamtes zum Wasserstand reagieren. Dies war um 13.07 Uhr. Rückmeldung um 13.26 Uhr per Fax: „Wasser großflächig über die Ufer getreten, Land unter.“ Die Feuerwehr sperrte erst die Ernst-Thälmann-Straße in Höhe Abzweig Dorfstraße ab und danach den Bereich der Flöhabrücke nördlich und südlich.
Auch die Ernst-Thälmann-Straße vom Rathaus bis zum Ortsausgang in Richtung Hetzdorf war bereits gesperrt. Der Schulhof und die Feuerwache standen bereits unter Wasser.
Nach 14.00 Uhr war ich wieder im Rathaus und Frau Sell konnte erst einmal am Telefon abgelöst werden, da ständig Anrufe von Bürgern eingingen.
Um 14.45 Uhr ging in der gesamten Gemeinde der Strom weg, da alle Trafostationen unter Wasser standen. Um 15.00 Uhr hat der Hausmeister die Schule aufgegeben.
Gegen 15.30 Uhr stand das Wasser an der letzten Stufe der Eingangstreppe vor dem Rathaus.
Um 15.35 Uhr hat dann der Landrat für alle Gemeinden Katastrophenalarm ausgerufen. Das haben wir aber erst später erfahren, da ja unsere Gemeinde von der Stromversorgung abgeschnitten war. Ich konnte nur noch mit zwei Handys fungieren. Auf meinem privaten D2-Handy erhielt ich einen Anruf, dass von Breitenau Personen nach Falkenau zu ihren Familien müssen und ob ich dafür die alte Hetzdorfer Brücke für den Verkehr öffnen könnte. Da eine Absprache mit dem Vorstand des Brückenvereins nicht möglich war, entschied ich, selbst die Brücke freizugeben.
Auf der Brücke stehend wurde mit ein erschütterndes Bild zu unserem Ortsteil Hetzdorf geboten. Der Fluss war schon im Garten der Seilerei Fischer, dies war gegen 16.00 Uhr.
Gegen 17.00 Uhr war die Schule, die Feuerwehr und die gesamte Kleingartenanlage völlig überflutet, gleichermaßen die gesamte ehemalige Baumwollspinnerei. Es war auch keine Evakuierung der Anwohner mit dem Schlauchboot der FFw mehr möglich.
Etwa 18.00 Uhr stand der gesamte Kellerbereich des Rathauses bereits voll unter Wasser.
In den Häusern Ernst-Thälmann-Straße 28,35,37,38,54 und 58 walzten die Wassermassen durch das Erdgeschoss. Analoge Situationen gab es im Bereich Ernst-Thälmann-Straße 14 und 15 bis 33 sowie im Bereich der Dorfstraße 13,15,54 bis 64.
Der Wasserstand erreichte eine Höhe von um die vier Meter über Normalstand.
Die 1999 neuerbaute Straßenbrücke in Hetzdorf hielt stand. Die „Schwarze Brücke“, die eine Woche vorher fertiggestellt worden war, hielt auch stand und war nur leicht verbogen.
Die Schulbrücke im Ort war erst 1994 saniert worden, aber am Abend des 12. August 2002 hatte es durch die Wucht der Flut einen Pfeiler unterspült und abgerissen. Er war umgestürzt, was wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen konnten, da die Höhe des Wassers bis an die Oberkante der Brückenbögen reichte.
Durch verschiedene Rettungsaktionen und Hilfeleistungen war unsere gesamte Technik, wie Pumpen, Tragkraftspritzen, Fahrzeuge der Feuerwehr u.a. defekt gegangen und mussten dringend repariert werden. Auch die Sachen der Kameraden der FFw mussten ständig getrocknet werden, da es weiterhin durchgehend regnete. Dies geschah alles im Garagenbereich des Wohnhauses Plauer Straße 24. Mit einer Dieselkanone wurde die Einsatzkleidung getrocknet. Nach einer Notinstandsetzung der Fahrzeuge stand um Mitternacht die FFw komplett wieder am Schulberg. Auch in der Kirche konnten sich die Kameraden umziehen, ausruhen und etwas Warmes zu sich nehmen. Sie wurden rund um die Uhr betreut. In der Kirche stand noch ein Gasherd, der in dieser speziellen Situation (kein Strom) gute Dienste leistete.
Mehrfach versuchte ich in der Nacht telefonisch im Landratsamt Freiberg zu erfragen, ob und wieweit das Wasser noch steigen würde, aber leider konnte mir keiner diese Frage definitiv beantworten. Wir waren also auf die Beobachtung und Kontrolle vor Ort angewiesen.
Gegen 4.00 Uhr retteten wir noch sechs PKW s` vom Kastanienberg am Haltepunkt.
Das Wasser stieg bis Dienstag, den 13. August, früh 6.00 Uhr. Der Höchststand war jetzt erreicht. An der Schulbrücke schwappte das Wasser vom Brunner-Haus an der Ernst-Thälmann-Straße 16 hinüber zum Haus Biernat in der Straße der Einheit 2.
Der Wasserstand blieb bis kurz vor Mittag fast konstant in dieser Höhe und begann dann zu sinken, außerdem hörte es gegen Mittag endlich auf zu regnen.
Nach dem Mittag kamen plötzlich zwei Hubschrauber, um neun Personen aus dem Wasserbau der Zwirnerei auszufliegen. Dies war innerhalb weniger Minuten erledigt, die Leute wurden auf dem Sportplatz abgesetzt und sofort im Sportlereck versorgt, da sie bereits seit Montag in der Fabrik ausharren mussten.
Am Dienstagnachmittag war das Wasser so weit zurückgegangen, dass weitere Personen mit dem Traktor der Gemeinde aus der ehemaligen Baumwollspinnerei evakuiert werden konnten. Dazu gehörten u.a. Herr Langheinrich aus der Tupperware, Herr Fiedler von der Firma WSVK, die Eheleute Steiger, Frau Hofmann mit Katze sowie Herr Hasso Kluge aus dem GHG, der von Flöha aus evakuiert werden musste.
Auch die Familie Melzer wurde noch am Dienstagabend aus dem Wasserkraftwerk in Hetzdorf geholt. Am späten Nachmittag trafen dann Energetiker aus Sachsen – Anhalt ein, um die Trafostationen zu trocknen und möglichst wieder anzufahren. In spektakulären Überfahrten wurden die Energetiker von den Kameraden der FFw mit dem Schlauchboot transportiert (z.B. vom Fabrikweg, Ernst-Thälmann-Straße 28 über den Mühlgraben zum Trafo-Haus Wasserbau). Gegen 22.00 Uhr war dann fast im gesamten Ort wieder Strom vorhanden.
Der Zugverkehr auf der Reitzenhainer Strecke war seit Montagnachmittag unterbrochen und erst ab dem 2. Oktober wieder möglich. Die Sachsenmagistrale war zeit- und auch teilweise nicht befahrbar, so dass kaum jemand zur Arbeit fahren konnte.
Durch das Abreißen des Pfeilers an der Schulbrücke war diese voll gesperrt worden und nur für den Fußgängerverkehr benutzbar.
Die Dorfstraße war nach dem Wohnhaus Nr.13 weggespült, dazu auch noch ein Stück am Viebigt. Die Zufahrten rechts und links der „Schwarzen Brücke“ waren weggespült. Die Brücke stand nur noch in den Widerlagern. Die Ernst-Thälmann-Straße war nur bis zur Schulbrücke befahrbar.
Vom Ortsausgang bis nach Hetzdorf war sie total frei- und teilweise sogar unterspült. In Hetzdorf fehlte an zwei Stellen zum alten Viadukt die Zuwegung ganz. Sie war teilweise bis zu zwei Meter tief weggerissen. Im Bereich der Baumwollspinnerei war die Zwirnerei nicht anfahrbar, da der Fluss die Zufahrt auf 10 Meter Länge und 2,5 Meter Tiefe weggespült hatte.
Die einzige Zufahrt in unsere Gemeinde war die ehemalige Ortsverbindungsstraße nach Grünberg, die normalerweise nur ein Radweg ist. Diese Zufahrt war zum Glück für den Verkehr offen, da der Bau der B 173 in der Ortslage Flöha gerade abgeschlossen war und die Metzdorfer Straße in Hohenfichte noch gebaut wurde.
Insgesamt waren ca. 150 m Zuwegungen wieder herzustellen. Dies war am Freitagabend 18.00 Uhr in Hetzdorf erledigt. Am Samstag wurde bis zum Nachmittag die Zufahrt zur Zwirnerei passierbar gemacht. 14 Tage später war die Talstraße von Ortsausgang bis nach Hetzdorf wieder fertig und befahrbar. Erst ab dem 15. November 2002 war die Schulbrücke mittels Ampelregelung für PKW s` wieder befahrbar, aber nur einspurig.
Da die gesamte Entsorgungsgesellschaft in der Stadt Flöha eingesetzt war, habe ich die Firma Becker Umweltdienste aus Langenau (BED) am Samstagmittag um Hilfe angerufen. Diese kamen mit allem verfügbaren Fahrzeug- und Containervolumen bis Dienstag, den 18. August 2002, vor allem in den Bereich Baumwolle. Die Zwirnerei bekam Container vom CED aus Chemnitz.
Jetzt ging es ans Aufräumen im gesamten Ortsbereich und fast jeder half mit.
Der Gemeinderat setzte sich in der ersten Woche täglich abends zusammen, um den vergangenen Tag so gut es ging auszuwerten und die nächsten Tage vorzubereiten.
Die Gemeinde Falkenau erhielt in den folgenden Wochen und Monaten tatkräftige Hilfe sowie Spenden aus Nah und Fern, um den Betroffenen in den ca. 55 Häusern zu helfen.//
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Hochwasserschutz
Quellen und Hinweise
- DokuWiki-Quelle: `data/pages/hochwasser.txt`
- Der Text wurde automatisch aus DokuWiki-Syntax in einen MediaWiki-Entwurf uebertragen und sollte vor der Veroeffentlichung redaktionell geprueft werden.
- ↑ Beiträge zur Geschichte: 725 Jahre Falkenau; S. 67