Stolln
Bergbaugeschichte, von Seifert und Glöckner
Der sächsische Bergbau ist 922 n.Christi,erstamlig durch Heinrich den Frommen, urkundlich nachweisbar. Wahrscheinlich ist auch, daß zwischen 1170 und dem 13. Jahrhundert um Oederan Bergbau betrieben worden ist, doch fehlen darüber urkundliche Nachweise.
Seit 1479 (Schneeberg) erst besteht mit der Formierung der staatlichen Aufsichts - und Kontrollbehörden im Bergwesen die Verordnung zur Führung der Zechenregister, nach dem jede Grubenverleihung in ein Bergbaubuch eingetragen werden mußte. Von 1357 bis 1466 war der sächsische Bergbau infolge Pestepidemien, politischer Wirren und Münzverfalls und nicht zuletzt wegen technischer Unzulänglichkeiten in Verfall geraten. Nach dieser Zeit kümmerte sich der Staat mehr als zuvor um die Grubenverwaltung. Im 16 Jahrhundert, mit den neuen Erzfunden 1504 bei Schneeberg , kommt demzufolge eine zweite Blütezeit für den sächsischen Bergbau.
In diese Zeit fällt auch der Beginn des einheimischen Silberbergbaues im Zechengrund im Jahre 1562 und 1568 das Kalkbergwerk, vom Erbhof Schreyer Falkenau, in Plaue(2/3).
Nach der chronistischen Niederschrift von Hermann Seifert aus dem Jahre 1938, wurden im 16. und 17. Jahrhundert nicht weniger als 29 Stolln auf Falkenauer Fluren aufgefahren. mini Die Grundrißzeichnung stammt von Friedrich Freyesleben, aus dem Jahre 1788. Er war Schichtmeister des Hilfe Gottes Erbstolln im Oederanschen Wald.
- Andreas Müller tiefer Stellen 1582-1583
- Bescheert Glück Maasen 1583-1586
- Gabe Gottes Maßen, er bestand aus 12 Maßen mit jeweils eigener Betriebseinheit 1583 - 1586
- George Fundgrube 1584
- Junger Fürst zu Sachsen, Herzog Christian Fundgrube 1583-1585
- Kurfürfsten zu Sachsen, meines gnädigen Herrn Herzog Augustus tiefer Erbstolln 1585-1610
- Bescheerte Gabe Gottes des Herrn von Schönberg 1584-158
- Galenus Flachen 1586-1588
- Achillesspat 1386—1588
- Heilige Dreifaltigkeit 1597
- Johannes Erbstollen zu Falkenau auf George Naumanns Gütern 1674
- Hirsch Erbftollen zu Falkenau auf George Naumanns Gutern 1675
- Bescheert-Glück-Erbstollen am Durrenberge 1688
- Großer Segen Gottes zu Falkenau 1690
- Silberne Jungfrau zu Faltenau 1690
- Fried- und Ewigkeitsgrube (am Schoßberg)1690
- Gunter Willkomm (am Schoßberg) 1690
- Großer Willkomm 1699
- Großer Willkomms-Erbstolln 1700-1709
- Ranken-Crantz-Erbstollen, Spatgang im Zechengrunde 1711
- Goldne Aue-Erbstolln im kurfürstlichen Walde bei Falkenau 1711-1758
- Unverhofft Glück Erbstollen, flacher Gang 1717
- Unverhofft Glück-Erbstollen 1727–1732
- Hilfe-Gottes-Erbstollen, stehender Gang 1733
- Zwei Bruder -Erbstollen 1745 1776
- Emaunuel-Erbstollen 1754–1785
- Sonnenglanz Fundgrube 1775-1783
- Grüner Wald-Erbstollen 1777-1778
- Xaverius -Erbstollen 1788–1792
Daß vor allem ehemals im Falkenauer "Zechengrund" ein nicht unbedeutender Bergbau umgegangen ist, bezeugen heute noch die vielen Halden und Pingenzüge, sowie eine Anzahl verbrochener Stollnmundlöcher.
Das Schieferbachtal, rechtsseitig des Bachverlaufes, zeichnet sich durch einen gestörten geologischen Aufbau gegenüber anderen Gebirgszügen aus. Die Gänge sind seit Mitte des 16. Jahrhunderts von mehreren, nur den Namen nach noch bekannten Gruben aus Silber- und Bleierze bebaut und durch den Tiefen-Hilfe Gottes-Schacht gelöst worden. Vor allem waren es die Gruben Kurfürst zu Sachsen, Herzog August-Erbstollen und Bescheert-Glück-Flachen die sich durch Silberreichtum auszeichneten. Jn der Zeit vom 29. April 1586 bis Ende Quartal Crucius 1588 zum Beispiel wurden auf ihnen 514 Mark 14 Lot 3 Quend Barndsilber gefördert.
Zur Ausstattung der kurfürstlichen Bergwerke gehörte im Zechengrund/Schieferbachtal:
- ein Kunstgezeug mit Wasserrad,
- zwei Bergteich,
- mehrere Wasserröschen,
- eine Schmelzhütte und
- ein Pochwerk
- zwei Köhlereien.
Die alte und neue Schmelzhütte waren an der Flöha gelegen. Der Bergbau ging damals auf dem *Hilfe-Gottes-Stehenden*, dem *Gottlob-Flachen*, dem *Bescheert-Glück-Flachen*, dem Galenus-Flachen und dem Achillesspat um. Die Gänge zeigten eine Mächtigkeit von 5-70 cm und bestanden meist aus Letten und Nebengestein, in denen sich in kleinen Nestern Quarz, Hornstein und Bleiglanz von 73 bis 75 % Blei und 0,01 bis 0,12 % Silber u.s·.w. fanden. Nach einer alten Nachricht muß auch als zweiter Trum „Spat und Glanz, angeschmaucht Silber und Glaserz“ und in einem Feldort „Glanz und Kies“ ausgebildet gewesen sein, der 5, 6, auch 9 und 10 Mark Silber hatte.
Der Bergbau in Falkenauer Zechengrund kam nach dem Jahre 1618 allmählich, durch den 30jährigen Kriege, wieder zum Erliegen. Der dreißigjährige Krieg hat auch hier sein Vernichtungswerk erfüllt. Die Bergleute wurden entweder vertrieben oder wie in anderen Gegenden unseres Vaterlandes totgeschlagen, deren Wohnhäuser in Brand gesteckt. Erst 1734 wurde dieser Bergbau von der Gewerkschaft des Hilfe-Gottes-Erbstollens (vorm. Kurfürst zu Sachsen, Herzog Augustusstollen) wieder ausgenommen und bis 1842 fortgeführt. Während vor der Aufgabe des Betriebes -also 1616- die Ausbeute mit insgesamt 1024 Mark, 2 Lot, 3 Quant Silber ausgebracht worden war, betrug die Ausbeute von 1734 bis 1842 nur 24 Mark, 2 Lot, 3 Quant Silber. Bis 1801 hatte man sich mit der Aufgewältigung [1] des alten Stollens und später mit dem Vortrieb des weiter unten im Tal angesetzten David-Stollens beschäftigt. Dieser hatte gegenüber den alten Stollen eine Mehrteufe von 14-18 Meter erreicht. Zu einem Wiederangrifs der Erzgänge ist es nicht mehr gekommen. Mangels Betriebsgelder wurde die Grube 1842 ganz aufgegeben. Der Schacht war bis aus etwa 480 m Länge bis an den 1. Tagesschacht auf dem Gottlieb-Flachen herangebracht worden.
Etwa in gleicher Höhe mit dem David-Stollen-Mundloch findet man noch heute auf der linken Bachseite, des Zechenbaches, das verbrochene Mundloch des Xaverius-Stollens, es deuten heute noch die trichterförmigen Einbrüche (Pingen) die Lage der früheren verschiedenen Tagesschächte an. Von diesen waren 3 auf dem Gottlob-Flachen, 1 auf dem Achillis-Spat niedergebracht worden, die Teufen von 5, 9, 18 und 24. Lachter [2] aufwiesen. Auch der Xaverius-Stollen war aus die genannten Gänge zu getrieben worden. Größen Teufen als wie oben angegeben, waren wegen der starken Grundwässer nicht möglich.
Auch bestand eine großzügige Wasserversorgung des ehemaligen Falkenauer Bergbaugebietes. Ein Kunstgraben führte frühere Aufschlagwässer aus einer Quelle südlich der Karolinenhöhe dem Bergbau zu. Von ihm sind Reste noch heute vorhanden. Der Graben oberhalb des Zechenbaches in Nord – Süd Richtung lässt einige Fragen offen. Seine Mächtigkeit erstreckt sich auf 7 m Breite und 4 m Tiefe. Dabei hat er eine geradlinige Ausdehnung von 190 m und nach geografischer Unterbrechung 20 m Länge. Seine Entstehung zeigt Spuren eines Alters von mehr als 100 Jahren an den Ringen der Baumstümpfe auf. [3] Mit großer Wahrscheinlichkeit diente er der Köhlerei zur Lösche der Meiler. Nur ein Silberstollen befand sich in Falkenau außerhalb des Oederanschen Waldes, der Xaver August Stollen. Seine Silbergänge waren oberhalb der alten unrentablen Schmelzhütte von 1575 (ehemalige Walke, zwischen Falkenau und Hetzdorf. Sein Mundloch wurde verbrochen mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Flöha-Komotau 1874.((Bergbauarchiv Freiberg, Bestand 40 040, Lfd. Nr. H 11160 vom Johann Christian Täuscher Bergältester, 06.06.1764)) ((Die Schmelzhütten im Flöhatal zu Falkenau, Stadtkurier 09-11/2009 von Mike Glöckner)) Die Silberausbeute bis 1843 betrug nach Aussage von Christian Gotthold Kind vom Oberbergamt Freiberg 244,3 kg Silber. Die Ausbeute dürfte aber noch höher sein, da nicht alle Zechenregister mehr existieren, um deren Silberausbringung zu analysieren. Die Eigentümer der Gruben waren neben dem sächsischen Landesherrn auch die Herren von Schönberg und vorwiegend die Oederaner Tuchmacher. Durch den 30-jährigen Krieg und den Verlust des Vermögens bei Stadtbränden fehlte es den Besitzern immer wieder an eigenem Betriebskapital und das nicht mehr beherrschbare Grundwasser in den Gängen machte ihnen zu schaffen. Von dieser Zeit erholte sich der Silberbergbau in unseren Fluren nicht mehr. [4] Am 17.06.1843 kam es zur vollständigen Einstellung der Bergbauaktivitäten im Oederanschen Walde und letztmalige Probebohrungen waren 1948.(( Gesprächsnotiz mit R. Preissler Chemnitz, Mai 2013)) Die Wismut hatte die Flure auf Uran untersucht und war nicht fündig geworden.
Quellen und Hinweise
- DokuWiki-Quelle: `data/pages/stolln.txt`
- Der Text wurde automatisch aus DokuWiki-Syntax in einen MediaWiki-Entwurf uebertragen und sollte vor der Veroeffentlichung redaktionell geprueft werden.